1.8 Hunger erkennen
Sie haben nun an Hand Ihres Ernährungsprotokolls können ausfindig machen wann und was Sie essen, aber konnten Sie auch feststellen warum Sie essen?
Sie denken nun sicherlich: „Natürlich weiß ich warum ich esse, ich habe Hunger!“
Aber ist Hunger tatsächlich immer gleich Hunger?
Welche Hungerarten gibt es?
Durst
Nicht selten wird Hunger mit Durst verwechselt, wenn man es nämlich nicht über den Tag geschafft hat ausreichend zu trinken. Dabei spielt gerade das Trinkverhalten nicht nur um bei bester Gesundheit zu bleiben eine bedeutend wichtige Rolle, sondern auch im Besonderen bei dem Wunsch der Gewichtsreduzierung. Ich kann daher nicht oft genug wiederholen wie bedeutend ausreichendes Trinken ist. Aus diesem Grund sollte man sich bei unerwartetem Aufkommen von Hunger obwohl die letzte Mahlzeit noch nicht allzu lange her ist, erst überlegen wie viel man getrunken hat und bevor man zu fester Nahrung greift 2 große Gläser stilles Wasser trinken. Oft reicht dies bereits aus um das Hungergefühl, hinter dem sich womöglich Durst verbergen könnte, zu besänftigen.
Magenhunger
Richtigen echten Hunger nennt man auch Magenhunger, er signalisiert uns den Mangel an Nahrung und ist ein überlebenswichtiges Signal des Körpers. Hierbei wird der korrekte Impuls gegeben damit wir Nahrung zu uns nehmen, um den Organismus mit Nährstoffen und Energie zu versorgen.
Ein weiterer Auslöser für Magenknurren kann auch der Blutzuckerspiegel sein. Sinkt dieser in einen kritischen Wert wird Magenhunger ausgelöst, denn unser Organismus ist darauf programmiert uns am leben zu halten. Während der Blutzucker in den Keller rauscht registriert unser Gehirn gleichzeitig auch den Insulinspiegel und den Zustand unserer Fettzellen im Körper und ihrer Fettreserven.
Hormone nehmen in diesem Zusammenhang ebenfalls eine tragende Rolle ein. Von vorstehender Bedeutung sei hier Leptin genannt, das so genannte Sattmacherhormon, es erledigt bei schlanken Menschen seine Arbeit tadellos. Da es vor allem in den Fettzellen produziert und anschließend in das Blut gestoßen wird, haben Schlanke mit ihrer normalen Anzahl an Fettzellen gegenüber Übergewichtigen den Vorteil, dass der Leptinausstoß im normalen Maß und Ablauf stattfindet. Wohingegen bei übergewichtigen Personen durch ihre hohe Anzahl an Fettzellen infolge dessen auch viel Leptin produziert und in die Blutbahn gebracht wird. Die Zellen entwickeln gegen das übermäßige im Blut zirkulierende Leptin eine Resistenz, sie stumpfen dagegen ab und der Übergewichtige erfährt das Paradoxe, dass er kein Sättigungsgefühl mehr verspürt und sich ein Teufelskreislauf erschließt.
Ein weiteres an dieser Stelle nennenswertes Hormon, das echten Magenhunger auslöst, ist das Ghrelin. Dessen Spiegel sinkt nach der Nahrungszufuhr und bei gedehntem Magen wieder ab. Jedoch wird Ghrelin vermehrt auch bei Schlafdefizit ausgeschüttet und erklärt somit, warum Schlafmangel den Appetit steigert und zu Übergewicht beiträgt.
Nährstoffhunger
Dehnung und Füllung bewirken Sättigung, die jedoch erst nach ca 15 bis 20 Minuten signalisiert wird, demzufolge ist es umso bedeutender, sich bei der Nahrungsaufnahme Zeit zu lassen und langsam und gründlich zu kauen. Am Sättigungsempfinden sind jedoch auch sensible Rezeptoren in Darm und Leber beteiligt, die den Nährstoffgehalt der Mahlzeit messen und darüber Informationen direkt an unser Gehirn senden. Handelt es sich um eine nährstoffarme Mahlzeit erkennen die Rezeptoren dies und es wird alsbald erneut Magenhunger ausgelöst. In diesem Fall handelt es sich zwar um echten Hunger jedoch nicht hervorgerufen durch einen leeren Magen, denn dieser ist augenblicklich noch mit der nährstoffarmen Nahrung gefüllt, sondern durch das Fehlen von lebenswichtigen Nährstoffen. Da unser Körper jedoch stets auf das Überleben programmiert ist verlangt er sich die Nährstoffe, die ihm nicht zugeführt wurden mit erneutem Hunger… folglich handelt es sich um Nährstoffhunger! Es kommt nicht selten vor, dass übergewichtige Menschen signifikante Nährstoffdefizite aufweisen auf Grund ihrer nährstoffarmen Lebensmittelwahl.
Erneut schließt sich ein Teufelskreislauf aus Hormonproduktion von übermäßig vorhandenen Fettzellen, fehlender lebenswichtiger Nährstoffe und Hungergefühlen!
Eine nährstoffreiche Nahrungszufuhr gewinnt von Kapitel zu Kapitel immer mehr an Bedeutung, Hintergrund und Notwendigkeit! Es ist umso wichtiger darauf zu achten mit welcher Menge man seinen Magen füllt und vor allem mit welcher Nahrungszusammenstellung!
Hungerarten psychosomatischen Ursprungs
Neben dem erklärten echten Magenhunger gibt es jedoch noch weitere Hungerarten, die mehr psychosomatischen als physiologischen Ursprungs sind.
Hierbei handelt es sich um so genannten Augen-, Nasen- und Mund-, sowie Herzenzhunger.
A N M Hunger ähneln sich in ihrer Physiologie. Sie werden von äußeren Reizen stimuliert und hervorgerufen. Zum Beispiel durch Werbung die uns allgegenwärtig umgibt, durch verführerische Gerüche aus Bäckereien, aus Restaurants oder von brutzelnden Grillgelagen.
Bei dem Herzenzhunger handelt es sich um seelischen Hunger, jedoch nicht nach Nahrung sondern nach Emotionen. Er verführt uns durch sowohl positive Gefühle wie Freude, Sehnsucht, Überraschtheit oder Beschwingtheit, als auch durch negative Gefühle wie Enttäuschung, Langeweile, Trauer, Ärger, Wut, Schuld, Kummer, Angst zur Nahrungsaufnahme du dies meist auf ungünstige Art und Weise und in einem ungesundem Maß.
Um diese Gefühle vermeintlich zu kompensieren stellt Essen ein Ersatz dar um die Situation erträglicher zu machen, denn durch die Ausschüttung von Botenstoffen wird Wohlbefinden suggeriert und man gewinnt für eine kurze Zeit Abstand zu dem misslichen Umstand. Essen soll hier emotionale Leerräume füllen und stopfen, ausgelöst durch beispielsweise Einsamkeit, Trauer oder Liebeskummer… Leider ist der Trost den man im Essen findet meist nur von kurzer Dauer und die ernüchternde Erkenntnis über viel zu viel zugeführten Kalorien endet in erneutem Frust und Ärger über sich selbst.
Eine allgemeine Lösung für Herzenshunger gibt es leider nicht. Ablenkung, positive Zukunftsfokussierung und in Bewegung kommen stellen mögliche Maßnahmen dar, die nicht selten und je nach schwere der emotionalen Belastung mit professioneller Hilfe ebenfalls Unterstützung finden können.
Lernen Sie Ihren Hunger zu klassifizieren, finden Sie für sich heraus um welche Hungerart es sich handelt und leiten Sie entsprechende Gegenmaßnahmen ein.
Hungerselbsttest
Notieren Sie sich nun auf Ihrer Checkliste:
- Körpereigene Rhythmen berücksichtigen
- 3 Mahlzeiten zeitlich festlegen und grob einhalten (+/- 1 Stunde)
- Einhalten von Pausen zwischen den Mahlzeiten von 3-4 Stunden (ohne Snacks)
- Letzte Mahlzeit 2-3 Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen
- Lange Übernacht-Pause von 12 bis 16 Stunden
To Do:
Notieren Sie sich nun auf Ihrer Checkliste:
- Hunger erkennen lernen (Cl)
Erledigt?